Montag, 9. Juli 2012

9.7.2012: Kelowna - das Senioren-Biotop

Howdy guys,
Gut 30 Minuten nördlich von Hope, erreichen wird die engste und tiefsten Stelle des Fraser River Canyons: "Hell's Gate". Eine Kabinen-Seilbahn führt direkt vom Straßenrand tief runter an's Flußufer. Über 750 Millionen Liter Wasser pro Minute schießen durch die Flussenge.

Und hier machen die auch noch Reklame für Rafting? Dagegen war unsere Raftingtour ja wie 'ne Kaffeefahrt zum Drachenfels!



Allerdings paddeln die hier nicht mehr selbst, sondern werden von Aussenbordmotoren vorangetrieben. Soweit geht das Zutrauen der Rafting-Anbieter in die Muskelkraft der Touris wohl doch nicht.
Wir nähern uns Kelowna, und können uns mit unserer näheren Zukunft beschäftigen: Das Klima rund um den Okanagan Lake ist sehr mild. Hier gedeihen scheinbar nicht nur Kirschen, Äpfel und Pfirsiche prächtig, sondern auch Senioren! Links und rechts der Straße reiht sich eine Reklametafel an die andere, für "Retirement"-Residenzen und "betreutes Wohnen".

Unser Nachtlager schlagen wir heute mitten in einer Obstplantage auf: Dem Apple Valley Orchard & RV Park. Mitten zwischen üppig tragenden Kirschbäumen steht unser Heim. Der Besitzer warnt zwar vor dem Kirschenpflücken - wären alle gespritzt - und trotzdem verkauft er die in seinem kleinen Hofladen? 3 - 4 Stück gönnen wir uns trotzdem. Und wir leben immer noch!
Heute zieht's uns zum Essen mal wieder auswärts. Mit dem Fahrrad ist es bis zu "Brandt's Creek" nur wenige Minuten.
Die Bedienung ist etwas muffelig. Atmosphäre, Essen und das hausgebraute Bier sind dafür aber ordentlich. Zum Nachtisch gönnen wir uns einen Cinnamon Toast Crunch, ein "Shot" aus American Goldschlager, Baileys und Butter Ripple Schnaps.

Und wie die Zutatenliste schon vermuten lässt, ist der extrem süß und schmeckt kräftig nach Zimt - Fast wie Weihnachten!

So long,

Yihaa from Mounty-County
Uwe und Frank

Sonntag, 8. Juli 2012

8.7.2012: Entäuschung in "Hope"

Howdy guys,
Vor wenigen Tagen, in Clearwater und Lone Butte haben wir noch ordentlich gefröstelt, und waren dankbar für unsere Heizung. Nun sind wir dankbar für unsere Klimaanlage. Es ist mächtig heiß geworden!
Die Strecke von Vancouver bis Hope ist anfangs nicht sonderlich beeindruckend. Das südöstliche Umland von Vancouver ist eher durch langweile Vorstadt-Bereiche und Industrie-Ansiedlungen geprägt. Wir sind ganz froh, dass uns die Autobahn relativ schnell dadurch führt.
Ab Mission nehmen wir dann wieder die Landstraße. Weite Flusslandschaften mit Ackerbau und Auslaufflächen für Motorradfahrer. In der Nähe ist ein Bikertreffen und eine Harley, Goldwing oder was sich dafür ausgibt, rauscht an uns vorbei. Und erst die Fahrer: ZZ-Top is still alive!


Am Horizont ein paar echt imposante, isoliert stehende Berge. Alle im oberen Drittel noch mit Schnee bedeckt.

Bei Hope zweigt unsere Route noch Norden ab. Wir beschließen hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Im Visitorcenter von Hope wird uns der "Coquihalla Campground" empfohlen: "Waldig, direkt am Fraser River gelegen".
Der Fluss hatte uns, ab Jasper kommend, schon eine lange Strecke begleitet. Und auf einem der größten Zuflüsse, dem Thompson River sind wir vor einer "gefühlten halben Ewigkeit" noch ge-rafted! Ach Gott, das ist erst wenige Tage her. Wie lange sind wir eigentlich schon unterwegs?
Wir machen einen kurzen Spaziergang zum kräftig dahinschäumenden Fluss. Ein Panz spielt knietief im Wasser und baut Dämme aus den Flusskieseln. Frank geht ebenfalls ins Wasser - aber nur bis knöcheltief: Die Füße sind nach wenigen Minuten gefühllos und zu Eis erstarrt! Wie macht der Panz das nur? Der baut doch hier scheinbar schon eine Weile an seiner Fluss-Begradigung!
Der Coquihalla Campground macht uns aber langsam weniger Spaß. Unsere"Site" (und nicht nur unsere) ist dreckig! Eine Menge kleiner Müllreste liegen auf dem Platz verteilt - hier ein Tempo, da ein kleines Stück alter Teppich - offensichtlich ein Fußabtreter von einem unserer Vormieter. Das ist alles nicht sehr appetitlich!
Was aber richtig ärgert: Der Campground ist wirklich nicht billig. Fast 50 $ für eine Nacht! Internetzugang kostet 3,46 $ extra. Aber, dass die Duschen dann auch noch extra kosten, ist schlichtweg eine Frechheit. Der Zettelkasten am Waschraum, mit Fragebögen á la "der Kunde hat das Wort", gehört uns! Zumindest sollen die wissen, dass wir ihren Campground unter keinen Umständen weiter empfehlen! Ob's was bringt, bezweifeln wir aber schon.
Abends machen wir es uns aber beim Barbecue am Campfire trotzdem gemütlich. Endlich kommen zwei RIESENSTEAKS (á 400 g!) aus unserer Kühltruhe aufs Campfire. Die Dinger zergehen auf der Zunge! Dazu Potatoe-Salad nach Rancher Art und Maiskolben mit Butter! Hmmmmh!
So long,

Yihaa from Mounty-County
Uwe und Frank

Samstag, 7. Juli 2012

7.7.2012: In schwindelnden Höhen ...

Howdy guys,

auch wenn unser Campground in Vancouver "op d'r schäl Sick" liegt, wir genießen heute schon wieder einen Vorteil! Unser erster heutiger Sightseeing-Stop, die "Capilano Suspension Bridge", liegt nur 3,6 KM vom Campground entfernt.
Am Campground-Empfang gab man uns den Rat, mit dem Taxi oder mit unserem Motorhome zur "Capilano Suspension Bridge" zu fahren ("es ist weit und sehr steil" bestätigt noch ein zufällig anwesender amerikanischer Camper).
Wir gehen dennoch das Risiko ein und fahren mit dem Fahrrad hin. 3,6 KM ist ja nun eigentlich keine Entfernung. Selbst wenn die Strecke an einigen Stellen zu steil wird, können diese Strecken nicht so lang sein, dass man nicht notfalls auch schieben kann.

Soooo "steil" ist die Strecke dann auch wahrhaftig nicht. Vor allem aber "weit" ist es auch nicht. Nach knapp 20 Minuten sind wir bereits da. Da hätten wir ja länger gebraucht, um mit unserem "Riesendampfer" einzuparken.
Was viel ärgerlicher ist: Auf die zahlreichen Linienbusse hat uns keiner aufmerksam gemacht. So etwas profanes wie Linienbusse nehmen halt die meisten Amis und scheinbar eben auch die Kanadier als Verkehrsmittel gar nicht wahr!

Im Internet haben wir durchaus kritische Kommentare gelesen, die sich über den "horrenden Eintrittspreis" mockieren.
Uns erschrecken 38 $ nicht mehr so sehr!
Dafür bekommt wir schließlich auch weit mehr als nur den Spaziergang über eine Hängebrücke!

Natürlich ist es ziemlich voll! Es ist schließlich Samstag!

Über die 70 m tiefe Schlucht des "Capilano Rivers" führt die heftig(!!!) schwingende, 136 m lange Brücke. Es ist echt schwierig auf den Beinen zu bleiben.
Die Brücke schwingt manchmal so heftig, dass einige - vor allem älterere - Besucher sie überhaupt nur begleitet betreten können. Viel schlimmer sind aber die dran, die auf halber Strecke sich nicht mehr weiter trauen und abgeholt werden müssen.

Auf der gegnüberliegenden Seite des Canyon verbindet eine Reihe von Stegen und kleineren Hängebrücke, in schwindelnder Höhe die wirklich gigantischen Douglasien mittereinander.

"Canopy" nennen die das hier. Kannten wir bisher von unserer Karibikreise anders: Da hängt man in hoch oben in den Bäumen an Seilen und saust und rutscht von Baum zu Baum. Die Stege hier sind doch blanker Luxus.

An einer Greifvogelwarte werden den Touristen heimische Falken und Eulen vorgeführt und erklärt.

Ein schöner Naturpfad führt durch den steilen Wald-Abhang.

Zurück auf der Park-Eingangsseite geht's noch über den "Cliffwalk". Ein an senkrechten, manchmal sogar überhängigen Felswänden, verankerter schmaler Steg. Der ragt weit in die Schlucht hinein - man schwebt fast frei in der Luft! Cool!
Unser Fazit: Wer die Capilano Suspension Bridge wegen des Eintrittspreises verschmäht, der verpasst was und ist selber schuld!


Mit dem Fahrrad geht es nun viel leichter zurück Richtung Vancouver! Schließlich geht es bis zur "Lions Gate Bridge" nur bergab.
Nach der steilen Auffahrt bis zur Mitte der Brücke pfeifen wir aber wieder aus dem letzten Loch. Was soll's: Tun wir halt so, als wenn wir wegen der schönen Aussicht einen Fotostopp einlegen!

Am Ende der "Lions Gate Bridge" beginnt der weitläufige "Stanley Park", so eine Art "grüne Lunge" von Vacouver. Am Rand, in der Nähe des Yachthafens das viel gerühmte Aquarium.
Obwohl es natürlich auch hier sehr voll ist gehen wir rein.
Viele Attraktionen liegen innen. Dementsprechend ist der Geräuschpegel! Quäkende Kinder, schimpfende Eltern. Die wenigen Aussenanlagen sind da eine echte Erholung.
Ehrlich gesagt wirkt vieles etwas trostlos. Beluga, Delphine und Otter wirken ein wenig depressiv. Da tröstet eigentlich nur, dass diese Tiere alle aus irgendwelchen Tier-Rettungsaktionen stammen.
Das Aquarium in San Francisco ist beeindruckender, "Seaworld" in San Diego hat eine wesentlich freundlichere Stimmung! Das "Vancouver Aquarium" muss also nicht unbedingt auf dem Besuchsprogramm stehen!

Im Hafenbereich, den zugehörigen Ausflugslokalen und Grünanlagen ist die Hölle los. Bei dem strahlend schönen Wetter hält es scheinbar keinen in seiner Wohnung.
Wir gönnen uns ein Bier und genießen das rege Treiben auf den Rasenflächen, den Schiffsverkehr in der Bay und die minütlich startenden und landenden Wasserflugzeug im vor uns liegenden Hafenbecken.

Abends gehts noch nach "Yaletown", ein ehemaliges Lagerviertel der Stadt, heute ein wirklich nettes Amüsier-Viertel mit zahlreichen Kneipen und vor allem Aussengastronomie. Die "Yaletown Brewing Company" hatten wir schon in Deutschland in die Planung einbezogen. Etliche hausgebraute Biersorten "running on tap", leckeres Essen und sehr aufmerksame Bedienung. Da verschmerzen wir sogar, dass es mal wieder einen Dollar mehr kostet.

So long von unserem letzten Tag in Vancouver.

Yihaa from Mounty-County

Uwe und Frank

Freitag, 6. Juli 2012

6.7.2012: "Wenn ich einmal reich wär, dabidiba-dabidiba-dibadum"

Howdy guys,

Vancouver ist "amazing": Die irrsinnige Skyline, ...

... umrahmt von Hafen und Pazifik einerseits und spektakulären, schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund andererseits, ...
... gibt es wohl kein zweites Mal auf der Welt!

Die Atmosphäre erinnert uns immer wieder an San Francisco: Die Bay und der Hafen - nur ohne See-Löwen - und die Lions Gate Bridge, sieht ein "bisschen" wie die "Golden-Gate-Bridge"aus.

Und genauso wie in San Francisco, ist auch das Wetter in Vancouver: Tagsüber kann es so heiß sein wie es will! Am Abend kühlt der kalte Pazifik die Luft wieder mächtig ab!

Die Preise in der Stadt sind allerdings gesalzen!
Wir wollen gerne mit dem Boot raus zum zum "Whale-Watching". Vor der Küste leben zahlreiche Orcas und Buckelwale.
Im "Visitor-Center" direkt gegenüber vom Canada Place wollen wir uns kundig machen.
Viele Angestellte - aber mindestens zehnmal so viele (vor allem asiatische) Touristen!
Eine ältere Dame sitzt hinter einem Schalter, der gerade frei ist. Hilfsbereit aber leider mindestens genauso ahnungslos, wie hilfsbereit. Auf unser Anliegen "whale watching" holt sie ein halbes Dutzend Prospekte aus ihrer Schublade. Die liegen auch öffentlich aus und aus denen liest sie uns Wort für Wort vor! Lesen können wir selber. Aber leider lässt sie sich auch durch Zwischenfragen überhaupt nicht unterbrechen!!! Fragen nach Details oder den Unterschieden zwischen den einzelnen Anbietern nimmt sie gar nicht zur Kenntnis! Sie liest einfach weiter! Im Verlauf der "Vorlesestunde" fällt es uns zunehmend schwer, das Alter zu ehren!!!
"Thank you for your information. We will think about that!". Und tschüss! Bloß raus, bevor die noch einen Prospekt zum Vorlesen findet.

Frank's Arbeitskollege Stefan hat die "Prince of Whales" als Anbieter empfohlen! Die haben ein eigenes Büro im "Westin Hotel", am anderen Ende das "Coal Harbour".
Die Hop-On-Hop-Off -Stadtrundfahrt vom "Big-Bus" hält direkt vor der Tür. Also rein in den Sightseeing-Bus, und erst mal die Stadtrundfahrt genießen. Am "Westin Hotel kurz unterberechen!

Leider bietet "Prince of Whales" ab Vancouver aber nur Tagestouren an. Zum Preis von 305 $ + Steuer, also rund 350 $, pro Person! Halloooo! Wir wollten keine Yacht kaufen, wir wollten einen Ausflug buchen!!!  Das lassen wir dann doch lieber!
Auch wenn das Angbot eine Menge bietet: Mit dem Boot Richtung Vancouver Islands, Landgang in der Hauptstadt von BC,"Victoria" auf Vancouver Island, noch irgend so ein Busausflug, und wieder zurück! Das Angebot erinnert uns sehr an unseren letzten "Ganztages-Ausflug" auf Gran Canaria, à la "Land und Leute", mit Besuch der landestypischen Finca "Casa Romantica". Fanden wir vor über zehn Jahren schon zum Kotzen! Und dann für Summe 700 $???
Eh Hallo! Das sind 1100 Mark in "echtem" Geld!!!

Wir gucken nicht auf's Geld, aber das geht uns nicht aus der Tasche! Und mit ein wenig Pech gibt's noch nicht mal Wale sondern nur Möwen? Denen können wir auch im Hafen beim kacken zugucken. Da sehen wir uns doch lieber noch mal "Moby Dick" auf Video an und gießen uns einen 6-Pack "Sleeman Honybrown" hinter die Binde. Dann schaukelt es auch schön und dem "Moby sein Dick" sieht fast echt aus!



So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!

Gruß
Uwe und Frank

Donnerstag, 5. Juli 2012

5.7.2012: Whistler - Ein echt "heißes" Skigebiet

Nach dem Frühstück geht's weiter nach Whistler, dem (!) Skigebiet in British Columbia! So eine Art Kitzbühel von B.C., mit grandioser Umgebung!
Wenn man sich die verschlafenen österreichischen Skigebiete im Sommer im Vergleich anschaut? Welch ein Unterschied! "Downtown Whistler" geht's zu, wie auf der Schildergasse am verkaufsoffenen Sonntag. Die schneelosen, mitten in der Fußgängerzone endenden Ski-Pisten sind von hunderten Mountain-Bikern bevölkert. Alle sind mindestens so bekloppt, wie die Snowboarder die im Winter den Abhang als Funpark nutzen.
Es ist ein strahlender, geradezu heißer Sommertag. Wir sitzen im Café und beobachten das Treiben. Da spaziert doch tatsächlich noch eine Gruppe von Skifahrerinnen in voller Ausrüstung vorbei!
Ganz oben am Berg gibt es ein 40 ha großes "Ganzjahres-Skigebiet". Aber hier in der Fußgängerzone sehen die Mädels wie Außerirdische aus!

Über den "Sea-To-Sky-Highway" fahren wir weiter Richtung Vancouver, aber natürlich in umgehrter Fahrtricht, also "Sky-To-Sea". Auf ungefähr halber Strecke öffnet sich zum ersten Mal der Blick auf den Pazifik. Die Horseshoe-Bay liegt steil unter uns. Mitten drin eine große Gruppe von Inseln. Aha - Deshalb Horseshoe-Bay. Durch die Inseln in der Mitte sieht hat die Bucht die Form eines Hufeiseisens.

Lange haben wir gerätselt, welcher Campground in Vancouver für uns wohl der richtige ist.
Der "Burnaby RV Park" verspricht eine gute Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrskitteln, ist aber deutlich weiter entfernt von Downtown, als der "Capilano River RV Park". Da wir am "Capilano River RV Park" ohnehin vorbeikommen, prüfen wir erst mal den.
Macht einen guten Eindruck. In Sichtweite von "Downtown-Vancouver" aber eben leider getrennt durch die Bucht. Quasi direkt über dem Campground, liegt die "Lions GateBridge", die unsere Seite der Bucht, "North-Vancouver", mit "Downtown Vancouver" verbindet.
Knapp 3 Kilometer östlich verbindet der "Seabus" die beiden Ufer im 15 Minutentakt.
Mit dem Fahrrad sollte also alles kein echtes Problem sein!
Also buchen wir 3 Nächte, zum allerdings sehr stolzen Preis von 215 Dollar (170 Euro)". Das ist gut das doppelte des sonst üblichen Campground-Tarifs in BC!
Aber Vancouver ist eben schon was Besonderes. Und es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben!
Unseren ersten Ausflug in die große Stadt starten wir über die Seabus-Verbindung. Die Lions-Gate-Bridge ist verdammt hoch (61 m über unserem Campground). Und heute wollen wir nicht mehr mit einer Berg-Etappe der Tour de France konkurrieren.
Fahrräder werden in Vancouver in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer kostenlos mitgenommen. Außer es ist kein Platz mehr!
Aber der geräumige "Seabus", ein breiter Katamaran, bietet irgendwie immer Platz! Nach rund zehn Minuten landet man schon am Hauptbahnhof der Stadt, der Waterfront-Station, direkt neben dem neuesten "Wahrzeichen" der Stadt (Vancouver hat unendlich viele "Wahrzeichen" ) dem Canada Place. Ein riesiges Kongresszentrum, das gleichzeitig als Anlegestelle für die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe dient. Baulich nachempfunden einem gigantischen Schiffsrumpf mit großen Segeln am Top.
Der Hafen, mit einem Flughafen für Wasserflugzeuge, einem Heliport, einem Containerterminal und dem Yachthafen für die Luxusyachten der "Arbeitslosen" Zwinkerndes Smiley der Umgebung, ist umrahmt von unendlich vielen Wolkenkratzern. Ähnlich hoch wie Manhattan, aber weniger weitläufig. Bereits nach kurzer Zeit ist es kein Problem mehr, sich im Schachbrettmuster der Häuserschluchten zurecht zu finden.
Aber an diesem ersten Abend irren wir doch noch ziemlich ziellos durch die Gegend! Bis wir endlich die richtige Ecke für den ersten Abend finden: "Gastown"! Ein Altbauviertel direkt neben der Waterfront Station.
Nicht zu verfehlen - außer man verlässt den Bahnhof in die falsche Richtung! So wie wir!!!
In diesem Viertel steht auch die berühmte Dampf Uhr ("Steamclock"), ausschließlich betrieben durch Dampf, aus einem entfernt liegenden Heizkraftwerk. Im Viertelstunden Takt flötet die Dampfuhr den Londoner Westminster-Glockenschlag. Besonders zur Freude von halb Asien! In genau diesem Viertelstundentakt steht die Uhr voll im Blitzlichtgewitter aller Asiaten!


So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!
Gruß
Uwe und Frank

Mittwoch, 4. Juli 2012

4.7.2012: Lockruf des Goldes

Siehe da, Lone Butte kann auch anders: Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein, aber auch frischen Temperaturen. Selbst in unserem Motorhome sind es gerade mal 10 Grad. Wie gut, dass wir eine gut funktionierende Heizung haben.

Die Biker aus der Nachbarschaft hatten es da weniger gut. Die sind erst gegen 8 Uhr abends völlig aufgeweicht angekommen und mussten dann im strömenden Regen ihre 2-Mann-Hundehütte aufbauen. Morgens, gegen 5 Uhr haben wir gehört, wie sie schon wieder (wahrscheinlich!) entnervt in stockfinsterer Nacht abgereist sind.
Dabei kann campen doch auch Spaß machen! Auf mindestens 9,65 m Länge, mit separatem Schlafzimmer, komfortablem Doppelbett, Großraumkühlschrank, … und vor allem Heizung!
Das Verlassen des Campground gestaltet sich dann aber für uns noch schwierig. Die Reifen drehen beim ersten zarten Gas-geben durch und graben sich in den völlig aufgeweichten Lehmboden.
Dora (die Campground-Besitzerin) schickt auch direkt Bruce, ihren "Huusmeester", mit einem Trecker vorbei. Der zieht uns rückwärts aus dem Schlammloch! Resi, i' hol di mid'm Traktor ab.

"This will be a busy Day for you!" plaudern wir mit Bruce.
"Yeaah, but I Love it" antwortet er gut gelaunt, auf dem aufgeweichten Boden, unter unserem Motorhome liegend.

Na denn - wenn's Freude macht!
Beim Verlassen des Campgrounds bemerken wir erst den alpenländischen Einfluss von Dora und ihrem Ehemann Bruno. Im gleißenden Sonnenschein verteilt sind kleine Hütten mit Edelweiß über den Türen, alpenländische Dorfbrunnen aus ausgehöhlten Baumstämmen. Und das Haus, das offensichtlich von Dora und ihrem Mann bewohnt wird, könnte genauso auch am Vierwaldstätter See stehen. Wo bleibt eigentlich Heidi? Liegt das Luder schon wieder unterm Geißen-Peter?
Wir fahren nach One-Hundred-Mile-House, dem nächstgelegenen "größeren Ort". Vorbei am 89-Mile-Restaurant, 94-Mile-Motel und 97-Mile-Supermarket.
Die Namen haben Geschichte: Rund 100 Meilen südöstlich von hier, in Lillooet, begann um achtzehnhundertpiependeckel der Goldrausch. Im Abstand eines Tagesmarsches entstand eine ganze Reihe von "Rasthäusern" für die Goldsucher die in Richtung Norden zogen. Benannt wurden die nach ihrer Entfernung zu Lillooet 84-Mile-House, 100-Mile-House, 108-Mile-House und so weiter. Aus manch der Raststätten wurden in den letzten gut 150 Jahren Ortschaften - und die behielten den Namen einfach weiter.
Was wir von 100-Mile-House gelesen hatten, hörte sich auch ganz romantisch an. In Wirklichkeit ist 100-Mile-House aber ein Gott-verlassenes Kaff! Gerade gut genug um ein paar Einkäufe im Supermarkt zu machen und zu tanken. Vor allem aber, um sich im Visitor-Center Sightseeing-Tips geben zu lassen. Interessanterweise führten aber alle Tipps des Visitor-Centers weg von 100-Mile-House. Viele Tipps führen sogar weit, weit weg! Unsere erste Einschätzung des Ortes war scheinbar nicht falsch!

Wir entnehmen den Tipps, dass wir 108-Mile-House besuchen sollten, einen kleinen privat betriebenen Museumsort - ihr ahnt es sicher schon - 8 Meilen nördlich von 100-Mile-House.
Für 5 Dollar Spende (pro Person) kann man ein typisch kanadisches Dörfchen aus den 1850-er Jahren besichtigen. Die Besitzerin gibt sogar eine individuelle Führung durch das Wohnhaus. Und siehe da, das Wohnhaus ist das 105-Mile-House, das vor einigen Jahren einer Erweiterung des Highways weichen musste. In zwei Teile zersägt, wurde es hier her gefahren und wieder zusammengesetzt.

Wenn ihr mal zufällig in der Ecke seid: Ein Umweg von 8 Meilen lohnen sich auf jeden Fall!

Aber jetzt gibt's noch was zu lernen aus erster Hand: 
Der Wikipedia-Artikel über 100-Mile-House lügt!
Das im Wikipedia-Artikel abgebildete Haus ist, ist das bereits erwähnete 105-Mile-House, das in 108-Mile-House steht! Und nicht wie behauptet in 100-Mile-House!
Kein Wunder, dass der Ort 100-Mile-House einen viel zu guten Ruf hat! Die schmücken sich ja mit fremden Federn Überraschtes Smiley!

Wir fahren wieder Richtung Süden, weiter nach Lillooet, dem "Mile 0" der Goldgräberroute.
Zu Anfang ist die Landschaft zwar durchaus schön, aber auch nicht unbedingt "überwätigend". Seen, Hügel, ab und zu eine Biberburg oder ein auf romantische Art heruntergekommener kleiner Ort.
Wir sind halt inzwischen verwöhnt! Vor einer Woche wären wir wahrscheinlich noch begeistert gewesen.
Doch kaum sind wir vom Highway 97 auf den Highway 99 abgebogen, geht es hoch in die Berge und die Landschaft wechselt in steile Berge und tiefe Canyons. Fast so beeindruckend wie der Grand Canyon!

Bei Lillooet überqueren wir den tief im Canyon rauschenden Fraser River.
Im Visitor-Center erfahren wir, dass der von uns anvisierte "Cayoosh Creek Campground" - direkt am Fluss und dennoch in Stadtnähe - wegen Hochwasser geschlossen ist. Man empfiehlt uns ein kleines Motel mit einigen Motorhome-Stellplätzen, statt des zweiten "offiziellen Campgrounds" auf der andren Seite des Flusses.
Die Empfehlung ist nicht schlecht! Nur wenige (dafür sehr steile!) Meter, bis in die Stadt.
Und, wir haben den ganzen Campground für uns alleine!

Ab mit dem Fahrrad nach "Downtown" Lillooet! Doch was für eine Stadt?!? "Downtown" besteht aus einer einzigen, etwa 300 m langen Straße, mit 4-5 Restaurants und sowohl aus wenigen gepflegten als auch vielen halb verfallenen Wohnhäusern. Und jeder Menge Sandsäcke entlang des Strassenrands. Hier ist wohl kürzlich noch das Hochwasser durchgetobt. Ein bisschen komisch. Der Fluss liegt viele Meter unter uns. Aber Hochwasser kommt hier wohl von den Bergen. Und dann kommt wohl bei "Wetter" richtig was runter.

Im Lillooet-Cookhouse-Restaurant, im Reynolds-Hotel, gehören wir zu den Exoten. Wir befinden uns mitten im Stammesgebiet der Squamish-Indianer und gehören als "Bleichgesichter" zur absoluten Minderheit.

Das Essen ist gut, die Bedienung sehr freundlich. Ein junger "first nation" - wie die Indianer sich korrekterweise selber nennen. Kaum zwanzig, mit einem sehr fremd wirkenden Flaum-Schnäuzer. Mit so 'ner Bürste traut sich bei uns seit Jahren keiner mehr auf die Straße.
Da das Bier aber leider nur aus Flaschen ist, probieren wir nach dem Essen noch das "Nightlife" von Lillooet.
Zwei Pubs stehen zur Auswahl: Der benachbarte Pub, ebenfalls im Reynoldas Hotel, oder der Pub im Victoria-Hotel - alle anderen Kneipen sind längst geschlossen! Es ist schließlich schon 8 Uhr abends Zwinkerndes Smiley!
Da wir unsere Gunst gerne verteilen, radeln wir die paar Meter bis zum Victoria-Hotel.
Ein Blick durch die offen stehend Tür reicht uns jedoch! Die einzige anwesende Person ist die "sehr barocke" Stammesschönheit hinter dem Tresen. Die hat wohl schon vor 47 Jahren Sam Hawkens in "Winnetou III" schöne Augen gemacht "wenn ich mich nicht irre - hihihi".
Wir wollen dann doch noch den Pub im Reynolds-Hotel ausprobieren. Der Pub ist aber erst Recht Driss!
"Hello! What kind of draught beer do you offer?" fragen wir.
 "Miller's!" - (Danke, die Jauche geht ja gar nicht!)
"No, thank you. What kind of bottled beer do you offer?"
"What do you want?" (Charmant! - Schweizer Hotelfachschule!)
"Do you have Sleeman Honeybrown?"
"Yes"
"Two Honeybrown, please."
30 Sekunden später stehen zwei Flaschen auf dem Tisch. Gläser? - Fehlanzeige! Gehobene Gastlichkeit!
"Ten-fifty!" - und fott isse. Wie praktisch die Rechnung kommt auch gleich mit. Wir fühlen uns "willkommen".
Wir legen passendes Geld hin - zum ersten Mal in diesem Urlaub geben wir kein Trinkgeld - trinken unsere Buddeln aus und verziehen uns. Flasch-Bier können wir auch netter haben. Zum Beispiel in unseren eigenen 4 Wänden am Campground!
Tja, schade! Das war Lillooet! Ob die Goldsucher genau so gerne weiter gezogen sind wie wir?
So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!
Gruß
Uwe und Frank

Dienstag, 3. Juli 2012

3.7.2012: Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen

Howdy Guys,

den Campground in Clearwater haben wir erst gegen halbelf verlassen: Mussten halt erst noch unseren Blog posten;))
Bevor wir uns aber weiter Richtung Osten, also Richtung Vancover begeben, besteht Frank doch noch mal auf einem Abstecher in den Wells Gray Provincial Park. Gestern sind wir wegen der nachmittäglichen Raftingtour ja nur im Schweinsgallop durchgefahren. Schließlich gibt es irrsinnig viele Wasserfälle! Und wir haben noch keinen einzigen gesehen.
Wir sind noch gar nicht im Parkgelände, schon wieder eine Bärenbegegnung: Eine Mutter mit ihrem Jungen überquert die Strasse. Doch leider ist die Kamera nicht schnell genug parat. Und als sie parat ist, setzt sich so'n Asi mit seinem PKW direkt vor uns. Nix mehr zu sehen. Aber die Bärenfamilie verschwindet auch bereits im Unterholz!
Also weiter Richtung Dawson Falls, die auch den Spitznamen "Little Niagara Falls" tragen. Keineswegs zu unrecht. Wie das Wasser so über die Klippe stürzt, fühlen wir uns direkt an unseren Besuch der Niagara Falls vor zwei Jahren erinnert. (die Videos könnt ihr übrigens unten links im Videofenster auf "Vollbild" vergrößern)


Wer da rein fällt hat ganz sicher ein paar Probleme.
Auf dem Rückweg halten wir noch an den Spahats Falls, direkt am Parkeingang. Lange nicht so breit wie die Dawson Falls - aber dafür imponierend hoch - schießt das Wasser in einen hoch oben gelegen Kessel und dann in eine tiefe Schlucht.


Kaum sind wir losgefahren: Schon wieder ein Bär! Diesmal offensichtlich ein Männchen, groß und kräftig, versucht eine Strassenbrücke vor uns zu überqueren, schlägt sich dann aber schnell in die Büsche, lässt uns vorbeifahren und überquert die Brücke, nachdem wir vorbei sind.


Da die Zeit schon etwas fortgeschritten ist, beschliessen wir auch nich mehr sooo weit zu fahren. "Lone Butte" verspricht einen Campground an einem See gelegen und gleichzeitig einigermaßen in der Nähe der Ortschaft. Komisch, bei dem Namen "Lone Butte" fällt Frank nur die Übersetzung "einsames Arschloch" ein! Aber es heißt ja nicht "Butt" sondern "Butte"! Und "Butte" heißt in der tat auch nur "Spitzkuppe", also "einsame Spitzkuppe", ein merkwürdiger einsamer, sehr schmaler aber hoher Hügel im Ort, hat den Namen gegeben.
Wir landen im Campground "Cariboo Bonanza Resort", direkt am Ufer des "Horse Lake". Am Empfang werden wir aber schon gewarnt. Der Platz ist wegen der vielen Regenfälle der letzten Zeit sehr nass und aufgeweicht. Die haben recht! Unsere Site ist nur vom Befahren mit unserem tonnenschweren Motorhome ein ziemliches Schlammloch.
Wir bleiben trotzdem - Unterkunft mit Seeblick hat schließlich was! Wie schön das hier sein kann, zeigt die Bildergalerie der Homepage vom Campground.

Die Campground-Besitzerin (Dora) ist eine sehr nette Dame, mit auffällig hartem Akzent.
"Where're you from, your accent sounds a little bit strange?".
"I'm from switzerland. Seid ihr Deutsche?".
Die Welt ist halt ein Dorf - und wir leben alle mittendrin!

Gerne wollen wir heute abend mal wieder in's Restaurant - zwei Abende hintereinander Barbecue reicht erst mal!
Der "Ironhorse Pub" (Eisenbahn-Pub) wird uns empfohlen. Allerdings sind das rund 8 KM bergauf! Natürlich mit dem Fahrrad. Uwe will partout nicht mit dem Auto fahren - sondern lieber Bier!!!
Was soll's: Quälen wir uns mit dem Fahrrad halt langsam die Steigung hoch!

Doch kaum sind wir auf dem Campground heimisch eingerichtet, fängt es an zu schiffen wie aus Eimern!
In einer "schwach-Regenphase" wollen wir es trotzdem versuchen.
"Wollt ihr wirklich mit dem Velo los - mit dem Fahrrad, meine ich?" tönt die vorbei-eilende Campgroundbesitzerin.
"Was bleibt uns anderes: Der Kühlschrank ist fast leer!" - Stimmt nur noch 34 Flaschen Bier und ein paar Scheiben Wurst und Käse!
Aber kurz hinter dem Campground-Ausgang, kaum 500 Meter gefahren, drehen wir um: Wir sind nass bis auf die Knochen! Noch 7,5 Kilometer auf dem Fahrrad? Da nimmt uns nicht mal mehr so ein Landgasthaus auf!
Am Eingangskiosk fragen wir nach, ob's Fisch zu kaufen gibt. Der See ist schließlich ein Anglerparadies mit Forellen und Rotlachsen.
"Nein Fisch haben wir nicht zu verkaufen!" - " Aber ich geb' euch so was mit. Meine Kühltruhe ist voll!"
Rubbeldikatz sind wir stolzer Besitzer von rund einem Kilo Super-Rotlachsfilet - für lau!
Morgen gibt's was in die Trinkgeld-Box. Wie schrieb Douglas Adams? "Macht's gut, und danke für den Fisch!"
Ein paar Kartoffeln sind noch da. 2 Dosen Champignogns, zubereitet "á la creme". Und die Lachsfilets in Butter gebraten: Ein Gedicht!
Dass der Fisch vor dem Braten nicht in Mehl gewendet wurde (haben wir nämlich nicht!), sondern in unserer Pancake-Fertigmischung - und auch die Cremesauce der Champignons ist mit Pancake-Fertigmischung gebunden und mit Philadelphia-Frischkäse gepeppt - merkt Uwe gar nicht!

Drum merke: "Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen!".

Der See vor uns voll Wasser, der Himmel über uns voll Wasser, der Zeltplatz schwimmt auch!  Darauf trinken wir erst mal einen! Lassen wir unserern Fisch ein letztes mal schwimmen.

Yihaa!!! aus Mounty-County

Uwe und Frank