Freitag, 6. Juli 2012

6.7.2012: "Wenn ich einmal reich wär, dabidiba-dabidiba-dibadum"

Howdy guys,

Vancouver ist "amazing": Die irrsinnige Skyline, ...

... umrahmt von Hafen und Pazifik einerseits und spektakulären, schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund andererseits, ...
... gibt es wohl kein zweites Mal auf der Welt!

Die Atmosphäre erinnert uns immer wieder an San Francisco: Die Bay und der Hafen - nur ohne See-Löwen - und die Lions Gate Bridge, sieht ein "bisschen" wie die "Golden-Gate-Bridge"aus.

Und genauso wie in San Francisco, ist auch das Wetter in Vancouver: Tagsüber kann es so heiß sein wie es will! Am Abend kühlt der kalte Pazifik die Luft wieder mächtig ab!

Die Preise in der Stadt sind allerdings gesalzen!
Wir wollen gerne mit dem Boot raus zum zum "Whale-Watching". Vor der Küste leben zahlreiche Orcas und Buckelwale.
Im "Visitor-Center" direkt gegenüber vom Canada Place wollen wir uns kundig machen.
Viele Angestellte - aber mindestens zehnmal so viele (vor allem asiatische) Touristen!
Eine ältere Dame sitzt hinter einem Schalter, der gerade frei ist. Hilfsbereit aber leider mindestens genauso ahnungslos, wie hilfsbereit. Auf unser Anliegen "whale watching" holt sie ein halbes Dutzend Prospekte aus ihrer Schublade. Die liegen auch öffentlich aus und aus denen liest sie uns Wort für Wort vor! Lesen können wir selber. Aber leider lässt sie sich auch durch Zwischenfragen überhaupt nicht unterbrechen!!! Fragen nach Details oder den Unterschieden zwischen den einzelnen Anbietern nimmt sie gar nicht zur Kenntnis! Sie liest einfach weiter! Im Verlauf der "Vorlesestunde" fällt es uns zunehmend schwer, das Alter zu ehren!!!
"Thank you for your information. We will think about that!". Und tschüss! Bloß raus, bevor die noch einen Prospekt zum Vorlesen findet.

Frank's Arbeitskollege Stefan hat die "Prince of Whales" als Anbieter empfohlen! Die haben ein eigenes Büro im "Westin Hotel", am anderen Ende das "Coal Harbour".
Die Hop-On-Hop-Off -Stadtrundfahrt vom "Big-Bus" hält direkt vor der Tür. Also rein in den Sightseeing-Bus, und erst mal die Stadtrundfahrt genießen. Am "Westin Hotel kurz unterberechen!

Leider bietet "Prince of Whales" ab Vancouver aber nur Tagestouren an. Zum Preis von 305 $ + Steuer, also rund 350 $, pro Person! Halloooo! Wir wollten keine Yacht kaufen, wir wollten einen Ausflug buchen!!!  Das lassen wir dann doch lieber!
Auch wenn das Angbot eine Menge bietet: Mit dem Boot Richtung Vancouver Islands, Landgang in der Hauptstadt von BC,"Victoria" auf Vancouver Island, noch irgend so ein Busausflug, und wieder zurück! Das Angebot erinnert uns sehr an unseren letzten "Ganztages-Ausflug" auf Gran Canaria, à la "Land und Leute", mit Besuch der landestypischen Finca "Casa Romantica". Fanden wir vor über zehn Jahren schon zum Kotzen! Und dann für Summe 700 $???
Eh Hallo! Das sind 1100 Mark in "echtem" Geld!!!

Wir gucken nicht auf's Geld, aber das geht uns nicht aus der Tasche! Und mit ein wenig Pech gibt's noch nicht mal Wale sondern nur Möwen? Denen können wir auch im Hafen beim kacken zugucken. Da sehen wir uns doch lieber noch mal "Moby Dick" auf Video an und gießen uns einen 6-Pack "Sleeman Honybrown" hinter die Binde. Dann schaukelt es auch schön und dem "Moby sein Dick" sieht fast echt aus!



So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!

Gruß
Uwe und Frank

Donnerstag, 5. Juli 2012

5.7.2012: Whistler - Ein echt "heißes" Skigebiet

Nach dem Frühstück geht's weiter nach Whistler, dem (!) Skigebiet in British Columbia! So eine Art Kitzbühel von B.C., mit grandioser Umgebung!
Wenn man sich die verschlafenen österreichischen Skigebiete im Sommer im Vergleich anschaut? Welch ein Unterschied! "Downtown Whistler" geht's zu, wie auf der Schildergasse am verkaufsoffenen Sonntag. Die schneelosen, mitten in der Fußgängerzone endenden Ski-Pisten sind von hunderten Mountain-Bikern bevölkert. Alle sind mindestens so bekloppt, wie die Snowboarder die im Winter den Abhang als Funpark nutzen.
Es ist ein strahlender, geradezu heißer Sommertag. Wir sitzen im Café und beobachten das Treiben. Da spaziert doch tatsächlich noch eine Gruppe von Skifahrerinnen in voller Ausrüstung vorbei!
Ganz oben am Berg gibt es ein 40 ha großes "Ganzjahres-Skigebiet". Aber hier in der Fußgängerzone sehen die Mädels wie Außerirdische aus!

Über den "Sea-To-Sky-Highway" fahren wir weiter Richtung Vancouver, aber natürlich in umgehrter Fahrtricht, also "Sky-To-Sea". Auf ungefähr halber Strecke öffnet sich zum ersten Mal der Blick auf den Pazifik. Die Horseshoe-Bay liegt steil unter uns. Mitten drin eine große Gruppe von Inseln. Aha - Deshalb Horseshoe-Bay. Durch die Inseln in der Mitte sieht hat die Bucht die Form eines Hufeiseisens.

Lange haben wir gerätselt, welcher Campground in Vancouver für uns wohl der richtige ist.
Der "Burnaby RV Park" verspricht eine gute Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrskitteln, ist aber deutlich weiter entfernt von Downtown, als der "Capilano River RV Park". Da wir am "Capilano River RV Park" ohnehin vorbeikommen, prüfen wir erst mal den.
Macht einen guten Eindruck. In Sichtweite von "Downtown-Vancouver" aber eben leider getrennt durch die Bucht. Quasi direkt über dem Campground, liegt die "Lions GateBridge", die unsere Seite der Bucht, "North-Vancouver", mit "Downtown Vancouver" verbindet.
Knapp 3 Kilometer östlich verbindet der "Seabus" die beiden Ufer im 15 Minutentakt.
Mit dem Fahrrad sollte also alles kein echtes Problem sein!
Also buchen wir 3 Nächte, zum allerdings sehr stolzen Preis von 215 Dollar (170 Euro)". Das ist gut das doppelte des sonst üblichen Campground-Tarifs in BC!
Aber Vancouver ist eben schon was Besonderes. Und es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben!
Unseren ersten Ausflug in die große Stadt starten wir über die Seabus-Verbindung. Die Lions-Gate-Bridge ist verdammt hoch (61 m über unserem Campground). Und heute wollen wir nicht mehr mit einer Berg-Etappe der Tour de France konkurrieren.
Fahrräder werden in Vancouver in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer kostenlos mitgenommen. Außer es ist kein Platz mehr!
Aber der geräumige "Seabus", ein breiter Katamaran, bietet irgendwie immer Platz! Nach rund zehn Minuten landet man schon am Hauptbahnhof der Stadt, der Waterfront-Station, direkt neben dem neuesten "Wahrzeichen" der Stadt (Vancouver hat unendlich viele "Wahrzeichen" ) dem Canada Place. Ein riesiges Kongresszentrum, das gleichzeitig als Anlegestelle für die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe dient. Baulich nachempfunden einem gigantischen Schiffsrumpf mit großen Segeln am Top.
Der Hafen, mit einem Flughafen für Wasserflugzeuge, einem Heliport, einem Containerterminal und dem Yachthafen für die Luxusyachten der "Arbeitslosen" Zwinkerndes Smiley der Umgebung, ist umrahmt von unendlich vielen Wolkenkratzern. Ähnlich hoch wie Manhattan, aber weniger weitläufig. Bereits nach kurzer Zeit ist es kein Problem mehr, sich im Schachbrettmuster der Häuserschluchten zurecht zu finden.
Aber an diesem ersten Abend irren wir doch noch ziemlich ziellos durch die Gegend! Bis wir endlich die richtige Ecke für den ersten Abend finden: "Gastown"! Ein Altbauviertel direkt neben der Waterfront Station.
Nicht zu verfehlen - außer man verlässt den Bahnhof in die falsche Richtung! So wie wir!!!
In diesem Viertel steht auch die berühmte Dampf Uhr ("Steamclock"), ausschließlich betrieben durch Dampf, aus einem entfernt liegenden Heizkraftwerk. Im Viertelstunden Takt flötet die Dampfuhr den Londoner Westminster-Glockenschlag. Besonders zur Freude von halb Asien! In genau diesem Viertelstundentakt steht die Uhr voll im Blitzlichtgewitter aller Asiaten!


So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!
Gruß
Uwe und Frank

Mittwoch, 4. Juli 2012

4.7.2012: Lockruf des Goldes

Siehe da, Lone Butte kann auch anders: Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein, aber auch frischen Temperaturen. Selbst in unserem Motorhome sind es gerade mal 10 Grad. Wie gut, dass wir eine gut funktionierende Heizung haben.

Die Biker aus der Nachbarschaft hatten es da weniger gut. Die sind erst gegen 8 Uhr abends völlig aufgeweicht angekommen und mussten dann im strömenden Regen ihre 2-Mann-Hundehütte aufbauen. Morgens, gegen 5 Uhr haben wir gehört, wie sie schon wieder (wahrscheinlich!) entnervt in stockfinsterer Nacht abgereist sind.
Dabei kann campen doch auch Spaß machen! Auf mindestens 9,65 m Länge, mit separatem Schlafzimmer, komfortablem Doppelbett, Großraumkühlschrank, … und vor allem Heizung!
Das Verlassen des Campground gestaltet sich dann aber für uns noch schwierig. Die Reifen drehen beim ersten zarten Gas-geben durch und graben sich in den völlig aufgeweichten Lehmboden.
Dora (die Campground-Besitzerin) schickt auch direkt Bruce, ihren "Huusmeester", mit einem Trecker vorbei. Der zieht uns rückwärts aus dem Schlammloch! Resi, i' hol di mid'm Traktor ab.

"This will be a busy Day for you!" plaudern wir mit Bruce.
"Yeaah, but I Love it" antwortet er gut gelaunt, auf dem aufgeweichten Boden, unter unserem Motorhome liegend.

Na denn - wenn's Freude macht!
Beim Verlassen des Campgrounds bemerken wir erst den alpenländischen Einfluss von Dora und ihrem Ehemann Bruno. Im gleißenden Sonnenschein verteilt sind kleine Hütten mit Edelweiß über den Türen, alpenländische Dorfbrunnen aus ausgehöhlten Baumstämmen. Und das Haus, das offensichtlich von Dora und ihrem Mann bewohnt wird, könnte genauso auch am Vierwaldstätter See stehen. Wo bleibt eigentlich Heidi? Liegt das Luder schon wieder unterm Geißen-Peter?
Wir fahren nach One-Hundred-Mile-House, dem nächstgelegenen "größeren Ort". Vorbei am 89-Mile-Restaurant, 94-Mile-Motel und 97-Mile-Supermarket.
Die Namen haben Geschichte: Rund 100 Meilen südöstlich von hier, in Lillooet, begann um achtzehnhundertpiependeckel der Goldrausch. Im Abstand eines Tagesmarsches entstand eine ganze Reihe von "Rasthäusern" für die Goldsucher die in Richtung Norden zogen. Benannt wurden die nach ihrer Entfernung zu Lillooet 84-Mile-House, 100-Mile-House, 108-Mile-House und so weiter. Aus manch der Raststätten wurden in den letzten gut 150 Jahren Ortschaften - und die behielten den Namen einfach weiter.
Was wir von 100-Mile-House gelesen hatten, hörte sich auch ganz romantisch an. In Wirklichkeit ist 100-Mile-House aber ein Gott-verlassenes Kaff! Gerade gut genug um ein paar Einkäufe im Supermarkt zu machen und zu tanken. Vor allem aber, um sich im Visitor-Center Sightseeing-Tips geben zu lassen. Interessanterweise führten aber alle Tipps des Visitor-Centers weg von 100-Mile-House. Viele Tipps führen sogar weit, weit weg! Unsere erste Einschätzung des Ortes war scheinbar nicht falsch!

Wir entnehmen den Tipps, dass wir 108-Mile-House besuchen sollten, einen kleinen privat betriebenen Museumsort - ihr ahnt es sicher schon - 8 Meilen nördlich von 100-Mile-House.
Für 5 Dollar Spende (pro Person) kann man ein typisch kanadisches Dörfchen aus den 1850-er Jahren besichtigen. Die Besitzerin gibt sogar eine individuelle Führung durch das Wohnhaus. Und siehe da, das Wohnhaus ist das 105-Mile-House, das vor einigen Jahren einer Erweiterung des Highways weichen musste. In zwei Teile zersägt, wurde es hier her gefahren und wieder zusammengesetzt.

Wenn ihr mal zufällig in der Ecke seid: Ein Umweg von 8 Meilen lohnen sich auf jeden Fall!

Aber jetzt gibt's noch was zu lernen aus erster Hand: 
Der Wikipedia-Artikel über 100-Mile-House lügt!
Das im Wikipedia-Artikel abgebildete Haus ist, ist das bereits erwähnete 105-Mile-House, das in 108-Mile-House steht! Und nicht wie behauptet in 100-Mile-House!
Kein Wunder, dass der Ort 100-Mile-House einen viel zu guten Ruf hat! Die schmücken sich ja mit fremden Federn Überraschtes Smiley!

Wir fahren wieder Richtung Süden, weiter nach Lillooet, dem "Mile 0" der Goldgräberroute.
Zu Anfang ist die Landschaft zwar durchaus schön, aber auch nicht unbedingt "überwätigend". Seen, Hügel, ab und zu eine Biberburg oder ein auf romantische Art heruntergekommener kleiner Ort.
Wir sind halt inzwischen verwöhnt! Vor einer Woche wären wir wahrscheinlich noch begeistert gewesen.
Doch kaum sind wir vom Highway 97 auf den Highway 99 abgebogen, geht es hoch in die Berge und die Landschaft wechselt in steile Berge und tiefe Canyons. Fast so beeindruckend wie der Grand Canyon!

Bei Lillooet überqueren wir den tief im Canyon rauschenden Fraser River.
Im Visitor-Center erfahren wir, dass der von uns anvisierte "Cayoosh Creek Campground" - direkt am Fluss und dennoch in Stadtnähe - wegen Hochwasser geschlossen ist. Man empfiehlt uns ein kleines Motel mit einigen Motorhome-Stellplätzen, statt des zweiten "offiziellen Campgrounds" auf der andren Seite des Flusses.
Die Empfehlung ist nicht schlecht! Nur wenige (dafür sehr steile!) Meter, bis in die Stadt.
Und, wir haben den ganzen Campground für uns alleine!

Ab mit dem Fahrrad nach "Downtown" Lillooet! Doch was für eine Stadt?!? "Downtown" besteht aus einer einzigen, etwa 300 m langen Straße, mit 4-5 Restaurants und sowohl aus wenigen gepflegten als auch vielen halb verfallenen Wohnhäusern. Und jeder Menge Sandsäcke entlang des Strassenrands. Hier ist wohl kürzlich noch das Hochwasser durchgetobt. Ein bisschen komisch. Der Fluss liegt viele Meter unter uns. Aber Hochwasser kommt hier wohl von den Bergen. Und dann kommt wohl bei "Wetter" richtig was runter.

Im Lillooet-Cookhouse-Restaurant, im Reynolds-Hotel, gehören wir zu den Exoten. Wir befinden uns mitten im Stammesgebiet der Squamish-Indianer und gehören als "Bleichgesichter" zur absoluten Minderheit.

Das Essen ist gut, die Bedienung sehr freundlich. Ein junger "first nation" - wie die Indianer sich korrekterweise selber nennen. Kaum zwanzig, mit einem sehr fremd wirkenden Flaum-Schnäuzer. Mit so 'ner Bürste traut sich bei uns seit Jahren keiner mehr auf die Straße.
Da das Bier aber leider nur aus Flaschen ist, probieren wir nach dem Essen noch das "Nightlife" von Lillooet.
Zwei Pubs stehen zur Auswahl: Der benachbarte Pub, ebenfalls im Reynoldas Hotel, oder der Pub im Victoria-Hotel - alle anderen Kneipen sind längst geschlossen! Es ist schließlich schon 8 Uhr abends Zwinkerndes Smiley!
Da wir unsere Gunst gerne verteilen, radeln wir die paar Meter bis zum Victoria-Hotel.
Ein Blick durch die offen stehend Tür reicht uns jedoch! Die einzige anwesende Person ist die "sehr barocke" Stammesschönheit hinter dem Tresen. Die hat wohl schon vor 47 Jahren Sam Hawkens in "Winnetou III" schöne Augen gemacht "wenn ich mich nicht irre - hihihi".
Wir wollen dann doch noch den Pub im Reynolds-Hotel ausprobieren. Der Pub ist aber erst Recht Driss!
"Hello! What kind of draught beer do you offer?" fragen wir.
 "Miller's!" - (Danke, die Jauche geht ja gar nicht!)
"No, thank you. What kind of bottled beer do you offer?"
"What do you want?" (Charmant! - Schweizer Hotelfachschule!)
"Do you have Sleeman Honeybrown?"
"Yes"
"Two Honeybrown, please."
30 Sekunden später stehen zwei Flaschen auf dem Tisch. Gläser? - Fehlanzeige! Gehobene Gastlichkeit!
"Ten-fifty!" - und fott isse. Wie praktisch die Rechnung kommt auch gleich mit. Wir fühlen uns "willkommen".
Wir legen passendes Geld hin - zum ersten Mal in diesem Urlaub geben wir kein Trinkgeld - trinken unsere Buddeln aus und verziehen uns. Flasch-Bier können wir auch netter haben. Zum Beispiel in unseren eigenen 4 Wänden am Campground!
Tja, schade! Das war Lillooet! Ob die Goldsucher genau so gerne weiter gezogen sind wie wir?
So long für heute!

Yihaa!!! aus Mounty-County!
Gruß
Uwe und Frank

Dienstag, 3. Juli 2012

3.7.2012: Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen

Howdy Guys,

den Campground in Clearwater haben wir erst gegen halbelf verlassen: Mussten halt erst noch unseren Blog posten;))
Bevor wir uns aber weiter Richtung Osten, also Richtung Vancover begeben, besteht Frank doch noch mal auf einem Abstecher in den Wells Gray Provincial Park. Gestern sind wir wegen der nachmittäglichen Raftingtour ja nur im Schweinsgallop durchgefahren. Schließlich gibt es irrsinnig viele Wasserfälle! Und wir haben noch keinen einzigen gesehen.
Wir sind noch gar nicht im Parkgelände, schon wieder eine Bärenbegegnung: Eine Mutter mit ihrem Jungen überquert die Strasse. Doch leider ist die Kamera nicht schnell genug parat. Und als sie parat ist, setzt sich so'n Asi mit seinem PKW direkt vor uns. Nix mehr zu sehen. Aber die Bärenfamilie verschwindet auch bereits im Unterholz!
Also weiter Richtung Dawson Falls, die auch den Spitznamen "Little Niagara Falls" tragen. Keineswegs zu unrecht. Wie das Wasser so über die Klippe stürzt, fühlen wir uns direkt an unseren Besuch der Niagara Falls vor zwei Jahren erinnert. (die Videos könnt ihr übrigens unten links im Videofenster auf "Vollbild" vergrößern)


Wer da rein fällt hat ganz sicher ein paar Probleme.
Auf dem Rückweg halten wir noch an den Spahats Falls, direkt am Parkeingang. Lange nicht so breit wie die Dawson Falls - aber dafür imponierend hoch - schießt das Wasser in einen hoch oben gelegen Kessel und dann in eine tiefe Schlucht.


Kaum sind wir losgefahren: Schon wieder ein Bär! Diesmal offensichtlich ein Männchen, groß und kräftig, versucht eine Strassenbrücke vor uns zu überqueren, schlägt sich dann aber schnell in die Büsche, lässt uns vorbeifahren und überquert die Brücke, nachdem wir vorbei sind.


Da die Zeit schon etwas fortgeschritten ist, beschliessen wir auch nich mehr sooo weit zu fahren. "Lone Butte" verspricht einen Campground an einem See gelegen und gleichzeitig einigermaßen in der Nähe der Ortschaft. Komisch, bei dem Namen "Lone Butte" fällt Frank nur die Übersetzung "einsames Arschloch" ein! Aber es heißt ja nicht "Butt" sondern "Butte"! Und "Butte" heißt in der tat auch nur "Spitzkuppe", also "einsame Spitzkuppe", ein merkwürdiger einsamer, sehr schmaler aber hoher Hügel im Ort, hat den Namen gegeben.
Wir landen im Campground "Cariboo Bonanza Resort", direkt am Ufer des "Horse Lake". Am Empfang werden wir aber schon gewarnt. Der Platz ist wegen der vielen Regenfälle der letzten Zeit sehr nass und aufgeweicht. Die haben recht! Unsere Site ist nur vom Befahren mit unserem tonnenschweren Motorhome ein ziemliches Schlammloch.
Wir bleiben trotzdem - Unterkunft mit Seeblick hat schließlich was! Wie schön das hier sein kann, zeigt die Bildergalerie der Homepage vom Campground.

Die Campground-Besitzerin (Dora) ist eine sehr nette Dame, mit auffällig hartem Akzent.
"Where're you from, your accent sounds a little bit strange?".
"I'm from switzerland. Seid ihr Deutsche?".
Die Welt ist halt ein Dorf - und wir leben alle mittendrin!

Gerne wollen wir heute abend mal wieder in's Restaurant - zwei Abende hintereinander Barbecue reicht erst mal!
Der "Ironhorse Pub" (Eisenbahn-Pub) wird uns empfohlen. Allerdings sind das rund 8 KM bergauf! Natürlich mit dem Fahrrad. Uwe will partout nicht mit dem Auto fahren - sondern lieber Bier!!!
Was soll's: Quälen wir uns mit dem Fahrrad halt langsam die Steigung hoch!

Doch kaum sind wir auf dem Campground heimisch eingerichtet, fängt es an zu schiffen wie aus Eimern!
In einer "schwach-Regenphase" wollen wir es trotzdem versuchen.
"Wollt ihr wirklich mit dem Velo los - mit dem Fahrrad, meine ich?" tönt die vorbei-eilende Campgroundbesitzerin.
"Was bleibt uns anderes: Der Kühlschrank ist fast leer!" - Stimmt nur noch 34 Flaschen Bier und ein paar Scheiben Wurst und Käse!
Aber kurz hinter dem Campground-Ausgang, kaum 500 Meter gefahren, drehen wir um: Wir sind nass bis auf die Knochen! Noch 7,5 Kilometer auf dem Fahrrad? Da nimmt uns nicht mal mehr so ein Landgasthaus auf!
Am Eingangskiosk fragen wir nach, ob's Fisch zu kaufen gibt. Der See ist schließlich ein Anglerparadies mit Forellen und Rotlachsen.
"Nein Fisch haben wir nicht zu verkaufen!" - " Aber ich geb' euch so was mit. Meine Kühltruhe ist voll!"
Rubbeldikatz sind wir stolzer Besitzer von rund einem Kilo Super-Rotlachsfilet - für lau!
Morgen gibt's was in die Trinkgeld-Box. Wie schrieb Douglas Adams? "Macht's gut, und danke für den Fisch!"
Ein paar Kartoffeln sind noch da. 2 Dosen Champignogns, zubereitet "á la creme". Und die Lachsfilets in Butter gebraten: Ein Gedicht!
Dass der Fisch vor dem Braten nicht in Mehl gewendet wurde (haben wir nämlich nicht!), sondern in unserer Pancake-Fertigmischung - und auch die Cremesauce der Champignons ist mit Pancake-Fertigmischung gebunden und mit Philadelphia-Frischkäse gepeppt - merkt Uwe gar nicht!

Drum merke: "Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen!".

Der See vor uns voll Wasser, der Himmel über uns voll Wasser, der Zeltplatz schwimmt auch!  Darauf trinken wir erst mal einen! Lassen wir unserern Fisch ein letztes mal schwimmen.

Yihaa!!! aus Mounty-County

Uwe und Frank

2.7.2012: Uwe der "fast-Bärentöter"

Howdy guys,
am gestrigen Canada Day (1.7.) sind wir fast einen halben Tag lang, etwas über 300 KM, von Jasper/AB auf der Ostseite der Rockies, nach Clearwater/BC auf der westseite der Rockys gefahren.

1 Stunde haben wir gewonnen: Beim Überschreiten der Grenze von Alberta nach British Columbia wurde die Uhr um eine Stunde zurückgestellt! Mit dem Auto eine Zeitgrenze überfahren ist immer wieder ein besonderes Erlebnis! In Europa kaum möglich!
In Clearwater/BC gibt es nicht mal Handy-Empfang! Aber, "Hurra": Auf dem KOA-Campground haben wir einen Wasseranschluß, Strom, eine Feuerstelle und - Wunder aller Wunder! -Zugang zum World Wide Web! Da bleiben wir doch gleich zwei Tage! Zumal der direkt am Campground liegende Wells Gray Provincialpark eine Menge Attraktionen bietet.
Also haben wir es einerseits gemütlich angehen lassen, andererseits endlich unser Reisetagebuch mal wieder "Online" gestellt. Also viel zu lesen für euch!
Heute morgen sind wir richtig früh zu einem Ausflug in den Park gestartet, zum "Clearwater Lake".
Über eine abenteuerliche, unbefestigte Strasse geht es 60 KM Richtung Norden, mitten ins Herz des Parks. Wir wollen ein Kanu mieten und doch mal schauen ob der Clearwater Lake auch wirklich das in Reiseführern versprochene glasklare Wasser hat.
Beim Canoe-Rental kriegen wir eine kurze Einweisung, zwei Schwimmwesten und 3 Paddel (eins auf Reserve!) verpasst. Dann müssen wir auf eigene Faust mit dem Auto 2 1/2 KM die Strasse hoch: Da liegen die Kanus! Alles in Sebstbedienung. Der Vermieter hat wirklich einen easy-job!
Wir nehmen uns am Ablegeplatz eins der "herrenlosen" Kanus aus dem Regal und ab gehts auf den See. Ganz schön groß und ganz schön schwer sind die Dinger. Kein Wunder, dass der Besitzer lieber unten in seinem Café sitzen bleibt, statt Kanus zu schleppen.
1 1/2 Stunde paddeln wir bei sachtem Regen über den menschenleeren, in der Tat glasklaren See! Drumherum undurchdringlicher Urwald, soweit das Auge reicht! Hin und wieder hört man einen Wasserfall - sonst ist nur absolute Stille!

Aber wir haben ja keine Zeit! Hasten zurück zum Canoe-Rental und geben unseren Ausrüstung zurück. Um 13:30 h sind wir zum Wildwasser-Rafting reserviert!
Und die fast 70 KM bis Clearwater über die wirklich abenteueliche Schotterpiste braucht rund 1 1/2 Stunden. Das ist gerade noch so zu schaffen! Urlaubs-Stress :(
Wir sind ca, 20 Minuten unterwegs, da springt uns ein junger Schwarzbär direkt vors Auto: 2 m vor uns - wir können gerade noch bremsen -  rast der lebensmüde Petz von links kommend über die Strasse und wetzt auf der anderen Strassenseite den Hang hoch. Bleibt noch kurz stehen und guckt uns nochmal neugierig an!

Das hätte für den Winni Puh auch gut schief gehen können! Aber Uwe hätte ihr "Bärentöter" nennen dürfen und über unserem Kamin im Wohnzimmer hätte eine schöne Trophäe gehangen!

Just in Time erreichen wir Clearwater und die Rafting Company. Ein kurzes optische Massnehmen für Neopren-Anzug, -Schuhe, wasserdichten Überwurf und wärmendes Flies-Shirt und schon sitzen wir im Auto zur Ablegestelle am Thompson-River!
6 Erwachsene, ein Kind und der Rafting Guide.
Der Thompson River verläuft paprallel zur Autoroute: Wow darauf wollen wir fahren? Teilweise schießt die Gischt meterhoch. 4 Meter geschmolzener Schnee aus den Bergen haben für ordentlich Dampf gesorgt.
"3 Grad Wassertemperatur" ruft Robert der Rafting-Guide durch den Kleinbus. "Enjoy the Canadian Hot Tub!!!".
Am Ablegeplatz, etwa 35 KM flussaufwärts von Clearwater entfernt ist umziehen angesagt. Mitten auf einem Rastplatz, dirket am Fluss. Ein älteres Ehepaar macht hier gerade ein Picknick und freut sich über die Abwechslung ;)
Robert erklärt noch kurz, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir ins Wasser fallen oder wenn das Boot kentert!!! Uwe war noch nie ganz überzeugt - aber jetzt erst recht nicht mehr! Doch nun ist's zu spät! Das Schlauchboot liegt schon im Wasser, alle Insassen sitzen auf der Bordkante und schon geht's ab mit der wilden Luzie.
Die erste meterhohe Welle erwischt uns schon nach wenigen Sekunden und überspült uns nahezu komplett. Stimmt: Das Wasser kann nicht mehr als 3 Grad haben! Wir beneiden ab sofort nicht mehr das holländische Pärchen, dass ganz vorne am Bug sitzt! Auch wenn's die beste Sicht hat - die kriegen jede Welle in Gesicht! "Yeahhh - That's refreshing" muntert Robert immer wieder auf.

Aber so langsam fängt's an richtig Spass zu machen.
Unter einer alten Eisenbahnbrücke durch - das Wasser umschiesst die Brückenpfeiler meterhoch, immer entlang der Transcanadian Railway Strecke zur linken und dem Hihgway zur Rechten. Trucks auf dem Highway und der 4 KM lange Güterzug der Canadian Pacific hupen grüßend um die Wette! Einfach nur cool!
Robert animiert die Teilnehmer ins Wasser zu springen und den "König der Welt" wie im "TITANIC"-Film, vorne auf dem Bug stehend, zu spielen. Und einige kriegen auch gar nicht genug davon! Eh, Hallo! Das Wasser ist 3 Grad kalt und tobt um uns rum!
Aber es klappt tatsächlich! Die, die es probieren haben alle überlebt! Robert weiss scheinbar was er tut!

Nach gut 1 1/2 Stunden legen wir wieder an und sind hoffnungslos begeistert. Das machen wir bestimmt noch mal wieder.

Unser Bier haben wir uns nach diesem sportlichen Tag jedenfalls verdient!

So long für heute (ausnahmsweise mal Online)!

Yihaa!!! aus Mounty-County

Uwe und Frank

Montag, 2. Juli 2012

30.6.2012: Caribous, Bären und Bäume, Bäume, Bäume ...

Howdy guys,

Unser erster kompletter Wohnmobiltag! Nach dem wir gestern zum und nach einem guten und reichlichen Abendessen in unserer "Stammkneipe" J "St. James Gate" und einem Absacker in unserer zweiten "Stammkneipe" J - "Elk & Oarsman" ("Hirsch und Ruderer"),  mit insgesamt vier großen Pints "Sleeman Honeybrown" vom Fass, hatten wir die nötige Bettschwere, um trotz sehr frischen Nachttemperaturen tief und fest bis gegen 6 Uhr zu schlafen.
6 Uhr !?! Der Jetlag hat uns halt doch noch ein wenig im Griff.

Also geht's recht früh nach einem selbst gemachten "american Breakfast" mit Pancakes und Zimt-Bageln auf die Piste, nach Norden Richtung Lake Louise und Jasper.
Den Transcanada-Highway haben wir kurz hinter Banff gegen den landschaftlich wesentlich reizvolleren "Bow Valley Parkway" getauscht. Eine schmale Landstrasse die etwa 50 KM entlang des "Bow River" bis Lake Louise führt.
Nach rund 2 Kilometern der erste Kontakt zum Wildlife: 2 Caribou-Bullen grasen direkt neben der Strasse. Der Frühling hat hier erst vor wenigen Wochen begonnen! Und die Erinnerung an etliche Warnungen vor allem möglichen Getier ist Gottseidank noch präsent. Diesen strammen Burschen glauben wir gerne, dass sie ganz schnell nicht mehr friedlich sind!

Am Lake Louise entschließen wir uns, eine Nacht zu bleiben und ein wenig mit Fahrrad und Kanu die Gegend zu würdigen. Vielleicht ein kleiner Ausflug zum Moraine Lake und ein Stündchen paddeln? Der Moraine Lake ist der See, den man immer als typisches Kanada-Bild gezeigt bekommt: Hohe, schneebedeckte Berge umrahmen einen See mit bonbonfarbenem, türkisblauem Wasser. Das sieht einfach nur unecht aus!

Leider haben wir die Rechnung ohne die Kanadier gemacht. Sonntag ist Nationalfeiertag, "Canada Day". Das wussten wir schon. Aber was stört uns ein Feiertag am Sonntag? "It's long weekend! I do not have any free site!" heißt es am Campground-Eingang. Wieso "long weekend"? Der Feiertag ist doch Sonntag! Nun, wenn der Nationalfeiertag auf einen Sonntag fällt, haben die Kanadier - kommt drauf an wo man arbeitet, entweder Freitags arbeitsfrei, oder Montags! Geil für die Kanadier, driss für die deutschen Touris. Halb Kanada zieht in die Natur und bevölkert wirklich jeden Campground! Wir sind nicht die einzigen die abgewiesen werden.
Also bleibt uns nix anderes übrig und wir fahren weiter Richtung Jasper. Vorher noch ein kleiner Blick auf den Lake Louise. Ähnlich beeindruckend. kitschiges Panorama wie am Moraine Lake, aber mit Gletscher im Hintergrund und schloß-ähnlichem "5*"-Prachthotel im Vordergrund. Leider auch mit hunderten von Japanern, Indern und Chinesen im Vordergrund! Asien muss menschenleer sein. Man sieht den See kaum noch vor Menschen. Wenn wir da an unseren letzten Skiurlaub denken, wo wir mit Johannes und Peter mit Schneeschuhen über den einsamen, zugefrorenen See gewandert sind!?! Bloß schnell weiterfahren!

Am Eingang zum Jasper-Nationalpark werden wir von einem Ranger freundlich gebeten, vorsichtig zu fahren: auf dem Highway sind einige Bären unterwegs! Die Bären seien kein Problem, aber die Touristen die sie umlagern, gefährden den Autoverkehr!

Kaum 30 Minuten später staut es sich auch schon: rund 15 Autos stehen - mehr oder minder seitlich - am Straßenrand und eine größere Gruppe von Touristen mit teilweise riesigen Fotoapparaten beobachten einen Schwarzbären, rund 50 Meter vom Straßenrand an einem Hang. Kaum 15 Minuten später wieder eine Menschentraube: 150 Meter vom Straßenrand entfernt ein Grizzly der sich von nichts und niemandem bei seiner Futtersuche stören lässt!  So dicht haben wir Bären in freier Wildbahn bisher noch nicht zu sehen bekommen! Auch nicht letztes Jahr, im Yellowstone Nationalpark.
Die Berge werden immer höher und schroffer. Gigantische Steinlawinen-Abgänge, riesige Waldgebiete, Wasserfälle, reißende Flüsse und ausgedehnte Überschwemmungsgebiete rechts und links der Strasse.  Am höchsten Punkt der Strecke ein beeindruckender Gletscher, das Columbia Icefield. Kurzer Fotostopp am quirligen Parkplatz: Halb Asien und halb Kanada (jaja: "It's Canada Day!") sind auch schon wieder da!
Kurz vor Jasper dann der heutige Höhepunkt: Wieder ein Schwarzbär bei der Futtersuche. Diesmal "zum Greifen" nah, keine 15 Meter vom Strassenrand entfernt.


So dicht sieht man Bären ja nicht mal im Zoo! Aber, so putzig und friedlich Meister Petz auch aussieht! Wie schnell sind die Viecher eigentlich wenn ihnen Beeren und Käfer nicht mehr reichen? Wir haben die Hoffnung, dass Meister Petz auf Sushi steht und eins von den zarten, fetten Japaner-Bälgern lieber mag ;)
Je dichter wir nach Jasper kommen  nimmt die Anzahl der Camprounds zu. Aber leider auch hübsche Schilder mit der Aufschrift "full/complete"!
Kurz vor Jasper hat dann aber doch noch der "Whistlers"-Campground wenigsten einen Stellplatz. Wenn auch ohne jeglichen Service: Kein Wasser, kein Strom, kein Fireplace! Und das für 27,50 $! Irrsinn! Gestern haben wir eine vergleichbare Leistung noch für 8,75 $ gehabt! Aber was bleibt uns übrig! Dafür gibts Wildlife massig: Es wimmelt von Mücken! Kaum verlässt du dein Motorhome, bist du schon zerstochen - 5-Markstück-grosse Quaddeln. Und trotz Moskitonetzen an Tür und Fenster schaffen es einige sogar bis ins Schlafzimmer. Bisher die blutigste Begegnung mit Canadian Wildlife!
Zum Ausgleich trösten  wir uns heute abend in Jasper in der "JasperBrewing Co." mit ein paar hausgebrauten Bieren! Vielleicht werden die Mücken ja friedlicher wenn wir sie besoffen machen.
So long für heute (offline, da ohne Internetzugang)!

Yihaa!!! aus Mounty-County

Uwe und Frank

Sonntag, 1. Juli 2012

29.6.2012: Pfeffer und Erdbeermarmelade - "Goldwert"

Howdy guys,

Leider holt uns Fraserway, der Wohnmobilvermieter, erst um 11 Uhr morgens in unserem Airporthotel ab. Ärgerlich: Da wollten wir eigentlich längst auf der Piste sein! Und die Umgebung vom Calgary Airport bitetet ähnlich viel Abwechslung wie der Parkplatz vom IKEA-Möbelzentrum!

Der Empfang bei Fraserway ist aber sehr freundlich! Viel freundlicher als einige Kundenkommentare im Internet erwarten liessen.
Unsere junge schweizerische Empfangsmamsell stutzt lange beim mustern unserer Reisepässe. Traut sich dann aber doch endlich zu fragen, ob wir Brüder sind? Obwohl: 2 männliche "Wolsbeck"s -mit nur 10 Tagen Abstand im Gebutsdatum?
Unsere erste Erklärung, dass unsere Mutter ein "schneller Brüter" ist, hat sie uns nicht geglaubt! Naja - wir haben sie dann über unsere Namensgleichheit aufgeklärt!

Robert, ein österreichische Fahrzeugeinweiser, ist ein eher einfach gestrickter Mensch: Leider nur mäßig bewandert in der Fahrzeughandhabung, technisch a bisserl ungeschickt und mit eher unbrauchbaren "Insidertips".
Gott sei Dank kennen wir die grundsätzliche Fahrzeug-Bedienung. Wir haben ja den ähnlichen Fahrzeugtyp nun schon zum 3. Mal!
Die Anzeige vom Fäkalientank ist wie häufig bei diesem Modell unzuverlässig und zeigt - obwohl der Tank leer ist - "¾ Voll" an. Robert meint, "dass kommt öfter vor" - wissen wir! - "ist aber nicht so schlimm. Ihr solltet einfach so oft wie möglich abpumpen!".
"Unser letzter Vermieter hat uns aber doch dringend empfohlen erst zu "dumpen" wenn der Tank mindestens ¾ Voll ist, weil der Tank sich dann gewissermaßen selbst reinigt!"
"Ja, ja, das stimmt auch wieder!" lautet seine Antwort.
Ja was denn nun? Eine Diskussion erscheint uns nach seiner Einlassung sinnlos - Lassen wir besser die Fragen sein, wie wir denn merken sollen, ab wenn die Scheisse überläuft! Da machen wir ja besser eine Strichliste über die Anzahl unserer Klogänge, als uns auf weitere kluge Anmerkungen zu verlassen.

Mmh! Keine Kaffeemaschine - Driss! Kaffee kochen mit Wasserkessel - wie zu Großmutters Zeiten ?!?
Dafür liegt auf den liebevoll auf dem Bett ausgelegten Hand- und Badetüchern jeweils ein Stückchen Seife drapiert! Wie in besseren Hotels!

Die Fahrräder, die wir bereits von zu Hause vorbestellt haben, entsprechen dann wieder dem uns bereits bekannten "Nordamerika-Fahrrad-Standard": Eher gammelig, dreckig, ohne Beleuchtung! Beleuchtung ist - laut Robert - auch nicht notwendig! Helme seien aber vorgeschrieben! Seinen Aussagen trauen wir seit der "Fäkaltank-Diskussion" aber nur noch eingeschränkt. Helme und Fahrradschlösser gibt's aber wenigstens als Dreingabe zu den Fahrrädern dazu - wird schon irgendwie klappen!

Ein freundlicher Touri, der gerade seine Reise beendet hat, quatscht uns an: "Bei der Fahrzeugrückgabe hat man mir gesagt, sie brauchen einen Nationalpark-Pass? Möchten sie meinen für eine kleine Beteiligung? Ist noch fast ein ganzes Jahr gültig! Der kostet normalerweise 136 Dollar!".
Stimmt: Eintritt für ein ganzes Jahr in alle National Parks in Kanada. Und auf jeden Fall unverzichtbar - Kanada besteht eigentlich "nur" aus Nationalparks!
"Wie viel möchten sie denn haben?".
"Jaah, mhmm!" (die Frage verwirrt ihn - hat er sich nämlich dummerweise keine Gedanken drüber gemacht!) "Sagen wir mal 40 Euro?".
Gebongt! Wir hätten auch mehr gezahlt! Immerhin haben wir damit über 65 Euro gespart!  Auch wenn's nicht "ganz legal" ist - schöne Umschreibung für illegal, oder?
Idealerweise verkaufen wir den Pass noch am Ende unserer Reise für 60 Euro weiter!?! - Nee! Sooo "braun" werden wir dann nun doch nicht sein!!! Der Pass-Preis ist schließlich auch für einen guten Zweck, nämlich den Erhalt der Parks!

Nach rund zwei Stunden sind wir dann endlich soweit: Uwe kann vom Fraserway-Hof rollen und zum nächsten Supermarkt fahren - Der Einkaufstress(/spaß?) kann beginnen!

Als erfahrene Motorhome-Nutzer haben wir natürlich eine sorgfältig ausgeklügelte Einkaufsliste!
Von Kaffee über Grillfleisch zu Marmelade und Klopapier!
Ganz wichtig für uns Luxusschnitten: Große Biergläser (Pints) - Im Wohnmobil sind standardmäßig nur so kleine Senfgläser!
Natürlich noch Bier, Limo, "ToGo"-Pappbecher für die langen Autostrecken, Wurst, Käse, Butter, Brot! Tausend Sachen die man bedenken muss, bevor man ins "Outback" geht!

Bei den Preisen im Supermarkt setzen wir uns aber, trotz aller Erfahrung, wieder mal auf den Arsch!
Wir sind aus Deutschland ein großes Glas Erdbeermarmelade für rund 'nen Euro - na gut, original "Schwartau" für 2,- Euro - gewöhnt. Hier findet Frank nach langem Suchen ein Mini-Gläschen (!) Erdbeermarmelade, ohne erkennbaren Fruchtanteil, für 4,39 Dollar !!! Ein kleines Glas(25 g) gemahlener Pfeffer für 8,79 Dollar (Lidl: 79 Cent), ein KG Mehl für 2,80 Dollar - die 2 Liter-Flasche Orangensaft : 7,50 Dollar!!!. Die Krönung ist ein kleines Stückchen Cheddar-Schnittkäse: 150 Gramm, für 16,29 Dollar! Das geht uns beiden dann doch nicht aus der Tasche! Dafür kriegen wir ja in Deutschland 'ne ganze Milchkuh!

Zu allem Überfluss akzeptiert die, sehr freundliche, Bedienung an der Kasse dann noch nicht mal unsere Kreditkarte ohne den PIN. Den haben wir natürlich nicht - wir zahlen seit Jahren nur mit unserem guten Namen!. Und unsere Maestro- EC-Karte nimmt sie auch nicht!!!
Gott sei Dank haben wir noch eine Bonus-Kreditkarte über 100 Dollar, als Geschenk vom "Fremdenverkehrsamt Alberta" bei unserer Reisebuchung bekommen! Die funzt wenigstens! Und den Rest von 150 Dollar kratzen wir in bar zusammen.
Das haben wir auch noch nicht erlebt! Bargeld ist in Nordamerika schließlich normalerweise eher unbeliebt! Wer bar bezahlt, wird sogar oft argwöhnisch gemustert: Kriminelle? Bankrotteure? Asis?

Gott sei Dank ist der Liquor-Store nebenan weniger pingelig: Für 75 Dollar Bier gehen problemlos gegen unsere gerade noch verschmähte Kreditkarte. Ohne Bier in die Einöde? Da hätten wir gar nicht erst losfahren brauchen!
Die Brauerei "Sleeman" schenkt uns ob des üppigen Einkaufs (2 Kartons "Sleemans Honeybrown") 2 Flaschen Barbeque-Ketchup als "give away". Da "Variationen von Grillsaucen" aber schon auf unserer Einkaufsliste stand, sind wir nun sind also stolzer Besitzer eines Grillsaucen-Jahres-Vorrats;))

Endlich gegen 3 Uhr können wir dann Richtung Banff, in den Banff-Nationalpark, aufbrechen.

Der "nicht ganz legal" gekaufte Nationalparkausweis funktioniert bei der ersten Kontrolle am Nationalpark-Eingang einwandfrei. Aber ein bisschen Herzklopfen haben wir schon!

Am frühen Abend erreichen wir den Campground "Tunnel Mountain Resort" in Banff. Nur 2 ½ KM vom Ortszentrum entfernt. Leider sind die 2 ½ KM aber gefühlt nur 1 KM in der Horizontalen und 1 ½ KM in der Vertikalen verteilt! Der Campground liegt hoch oben am Berg! Hat uns bei unseren Ski-Urlauben in Banff bisher nie interessiert! Runter geht's ja noch! Aber zurück?!? Mit dem Fahrrad: Never ever!
Überfüllt ist der Campground auch noch! Für 8,50 Dollar ein Stellplatz am Wegesrand ohne Strom, ohne Wasser und ohne Feuerstelle! Ist zwar ein Schnäppchen, aber eben nicht ganz das, was wir uns gewünscht hätten. Eine Alternative gibt's aber im Umkreis von 50 KM ohnehin nicht!
Also geht’s heute zu Fuß in die Stadt ins Restaurant und zurück nehmen wir dann halt ein Taxi!

So long für heute (offline, da ohne Internetzugang)!

Yihaa!!! aus Mounty-County

Uwe und Frank